Nico KüchlerDesigner & Entwickler
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Wer da wirklich schreibt

Fake-Profile, Deepfakes, gefälschte Anrufe: woran man sie erkennt – und warum Nachfragen besser schützt als genaues Hinsehen.

Ein Smartphone auf dem Küchentisch zeigt einen eingehenden Videoanruf; das Gesicht löst sich an den Rändern in ein Raster auf, eine Hand zögert über dem Gerät.
Bild: mit KI erzeugt

Ein Anruf, die Stimme der Tochter, aufgelöst: Sie hatte einen Unfall, es braucht sofort Geld. Eine neue Freundschaftsanfrage im Spiel, jemand im gleichen Alter, sehr verständnisvoll. Ein Bild von einer Mitschülerin, das durch den Klassenchat geht – und nie aufgenommen wurde.

In allen drei Fällen ist die entscheidende Frage dieselbe: Wer ist das wirklich? Und in allen drei Fällen ist die ehrliche Antwort: Man sieht und hört es nicht mehr zuverlässig.

Warum genaues Hinsehen nicht reicht

Es gibt Merkmale, an denen man Fälschungen erkennen kann. Das BSI nennt bei Videos zum Beispiel sichtbare Übergänge am Gesichtsrand, verwaschene Zähne und Augen, eine starre Mimik oder Verzerrungen, wenn sich der Kopf zur Seite dreht. Gefälschte Stimmen klingen manchmal metallisch, monoton oder sprechen Wörter falsch aus, und sie antworten mit kleiner Verzögerung.

Diese Hinweise sind nützlich. Aber die Technik wird jedes Jahr besser, und die Merkmale werden seltener. Wie weit das geht, zeigt ein Fall aus Hongkong: 2024 überwies ein Mitarbeiter des Ingenieurbüros Arup nach einer Videokonferenz rund 25 Millionen US-Dollar. Der Finanzchef und die Kollegen in der Konferenz waren Fälschungen.

Deshalb gilt: Nicht nur prüfen, wie etwas aussieht – sondern prüfen, ob es stimmt. Das geht über einen zweiten Weg.

Drei Situationen, drei Schutzregeln

Der Schockanruf mit bekannter Stimme

Betrüger nutzen kurze Sprachschnipsel aus sozialen Netzwerken, um Stimmen nachzuahmen. Die Bayerische Polizei rät ausdrücklich: Vereinbaren Sie mit Ihren Angehörigen ein geheimes Kennwort. Gerade bei Anrufen mit KI-Stimmen hilft es, Betrüger zu entlarven.

  • Kennwort in der Familie ausmachen – auch mit den Großeltern.
  • Auflegen und selbst zurückrufen, unter der Nummer, die Sie kennen. Nicht die Rückruftaste nutzen.
  • Niemals unter Zeitdruck Geld überweisen oder übergeben.

Das Profil, das zu gut passt

Hinter einem Profil mit Foto, passendem Alter und gleichen Hobbys kann jeder stecken. Mit KI lassen sich Profilbilder, Chatverläufe und inzwischen auch Live-Videos glaubwürdig erzeugen.

  • Online-Bekanntschaften bleiben online, bis Eltern Bescheid wissen.
  • Misstrauisch werden, wenn jemand schnell Geheimnisse, Fotos oder den Wechsel in einen anderen Messenger will.
  • Ein Videocall ist kein Beweis mehr, dass jemand echt ist.

Das Bild, das nie aufgenommen wurde

KI kann aus einem normalen Foto ein Nacktbild erzeugen. Solche Bilder werden unter Jugendlichen verbreitet, zur Bloßstellung oder zur Erpressung („Sextortion“). Die Polizei rät in diesem Fall:

  • Nicht zahlen und nicht auf Forderungen eingehen.
  • Beweise sichern: Screenshots mit Profilnamen, Datum und Uhrzeit.
  • Melden und blockieren – bei der Plattform.
  • Anzeige erstatten bei der Polizei.

Für Minderjährige gibt es das Werkzeug „Take It Down“, mit dem sich Nacktbilder bei teilnehmenden Plattformen sperren lassen, ohne das Bild hochzuladen. Rechtswidrige Inhalte kann man zusätzlich bei jugendschutz.net melden.

Wichtig für Ihr Kind: Wer so ein Bild von sich entdeckt, hat nichts falsch gemacht. Die Scham liegt beim Täter.

Was die neuen EU-Regeln ändern – und was nicht

Seit August 2026 verlangt die KI-Verordnung der EU, dass Deepfakes als künstlich erzeugt offengelegt werden. Das hilft bei seriösen Anbietern und Medien. Wer betrügen oder bloßstellen will, hält sich nicht daran. Ein fehlender Hinweis beweist also nicht, dass etwas echt ist.

Hilfe, wenn es passiert ist

  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111 (Mo–Sa 14–20 Uhr), anonym und kostenlos
  • Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0550
  • JUUUPORT – Beratung von Jugendlichen für Jugendliche: juuuport.de
  • HateAid – Beratung bei digitaler Gewalt: hateaid.org
  • Die Polizei – bei Erpressung, Bedrohung und Nacktbildern von Minderjährigen immer

Was Sie tun können

  • Machen Sie heute Abend ein Familien-Kennwort aus.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind, bevor etwas passiert: Es soll wissen, dass es zu Ihnen kommen kann, ohne Ärger zu bekommen.
  • Stellen Sie gemeinsam die Profile auf privat und überlegen Sie, welche Fotos und Sprachnachrichten öffentlich sein müssen.

Fürs Gespräch mit Ihrem Kind

  • „Woran würdest du merken, dass jemand im Chat nicht der ist, der er sagt?“
  • „Was machst du, wenn dich jemand um ein Foto bittet?“
  • „Was wäre unser Kennwort – und wem verraten wir es nicht?“
QuellenBayerische Polizei: Schockanrufe – Kennwort mit Verwandten vereinbaren (polizei.bayern.de, abgerufen 15.09.2026)BSI: Deepfakes – Erkennungsmerkmale (bsi.bund.de, abgerufen 15.09.2026)Polizeiliche Kriminalprävention: Sextortion (polizei-beratung.de, abgerufen 15.09.2026)klicksafe: Was tun gegen Nacktbilder und Deepfakes im Netz? (klicksafe.de, abgerufen 15.09.2026)CNN, 04.02.2024 / South China Morning Post, Mai 2024: Deepfake-Videokonferenz bei Arup, HongkongVerordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 50