„Schreib mir einen Aufsatz über den Wald.“ Zehn Sekunden später steht er da. Die Hausaufgabe ist erledigt – gelernt hat niemand etwas.
Dasselbe Werkzeug kann aber auch ein geduldiger Nachhilfelehrer sein, der fragt, statt vorzusagen. Der Unterschied liegt fast nur darin, wie man fragt. Die Anweisung an eine KI heißt Prompt, und gute Prompts kann man lernen.
Abkürzung oder Lernhilfe?
| Abkürzung | Lernhilfe |
|---|---|
| „Löse Aufgabe 3.“ | „Gib mir einen Tipp für Aufgabe 3, aber nicht die Lösung.“ |
| „Schreib den Aufsatz.“ | „Hier ist mein Aufsatz. Nenne drei Stellen, die unklar sind. Schreib nichts um.“ |
| „Fass das Kapitel zusammen.“ | „Stell mir fünf Fragen zu dem Kapitel und sag mir nach jeder Antwort, ob sie stimmt.“ |
| „Übersetz das.“ | „Ich übersetze selbst. Sag mir danach, welche Fehler ich gemacht habe, und warum.“ |
Links arbeitet die KI, rechts das Kind. Nur rechts wird gelernt.
Vier Zutaten für eine gute Anfrage
In der Erwachsenenbildung wird oft das Schema CRAFT verwendet (nach Vera Cubero). Für Schülerinnen und Schüler reichen vier Zutaten:
- Wer bin ich? – „Ich bin in der 6. Klasse und habe Bruchrechnen noch nicht verstanden.“
- Welche Rolle soll die KI haben? – „Sei ein geduldiger Nachhilfelehrer.“
- Was genau will ich? – „Erkläre mir, warum man beim Teilen durch einen Bruch mit dem Kehrwert malnimmt.“
- Wie soll die Antwort aussehen? – „In einfachen Sätzen, mit einem Beispiel mit Pizza. Frag mich danach, ob ich es verstanden habe.“
Zusammen ergibt das eine Anfrage, die zu einer völlig anderen Antwort führt als „Kehrwert erklären“.
Prompts, die beim Lernen helfen
- Abfragen lassen: „Frag mich die zehn wichtigsten Vokabeln aus dieser Liste ab. Eine nach der anderen. Sag mir erst nach meiner Antwort, ob sie richtig war.“
- Hinweise statt Lösung: „Ich hänge bei dieser Textaufgabe. Gib mir nur den nächsten Schritt, nicht das Ergebnis.“
- Erklären lassen, dann selbst erklären: „Erklär mir die Photosynthese in fünf Sätzen. Danach erkläre ich sie dir, und du sagst mir, was fehlt.“
- Feedback statt Umschreiben: „Lies meinen Text. Was ist gut, was ist unklar? Mach keine Korrekturen, nur Hinweise.“
- Probe-Test: „Mach mir einen kleinen Test mit fünf Fragen zu diesem Thema, wie er in einer Probe vorkommen könnte.“
Grenzen, die bleiben
- Auch eine gute Anfrage schützt nicht vor falschen Antworten (siehe „Wenn die KI Unsinn erzählt“). Was die KI erklärt, gehört mit dem Schulbuch abgeglichen.
- Ob und wie KI für Hausaufgaben genutzt werden darf, entscheidet die Lehrkraft. Fragen Sie im Zweifel nach.
- Nicht jeder Chatbot ist für jedes Alter erlaubt. Mehr dazu in „Alter, Regeln, Daten“.
- Persönliches gehört nicht in den Prompt: kein voller Name, keine Adresse, keine Fotos von Mitschülern.
Was Sie tun können
- Setzen Sie sich beim ersten Mal daneben und probieren Sie die Lernhilfe-Prompts gemeinsam aus.
- Vereinbaren Sie eine einfache Regel: „Die KI darf fragen und erklären – schreiben tust du.“
- Lassen Sie sich zeigen, was Ihr Kind die KI gefragt hat. Nicht als Kontrolle, sondern aus Interesse – die Prompts sagen viel darüber, wo es hängt.
Fürs Gespräch mit Ihrem Kind
- „Wann hilft dir die KI beim Lernen – und wann erledigt sie es nur für dich?“
- „Wie würdest du fragen, damit sie dir nicht die Lösung verrät?“
- „Merkt deine Lehrerin, ob du etwas selbst geschrieben hast?“
